Werkbrief
Alfred Hablützel (1931-2026)
Mit dem Hinscheiden von Alfred Hablützel verlieren wir einen der wichtigsten «Beweger» der Schweizer Möbelszene. Er hat die Schweizer Einrichtungsbranche jahrzehntelang unermüdlich und massgeblich geprägt. Der Tod ist ein grosser Verlust für alle, die ihn gekannt und die mit ihm gearbeitet haben.
Bild: © Florian Arber
Alfred Hablützel wurde 1931 in Vaucresson bei Paris geboren. 1938 zog seine Familie nach Zürich. Nach einer Lehre als Tapezierer-Dekorateur studierte er an der Kunstgewerbeschule Zürich bei Willi Guhl, Hans Bellmann und Johannes Itten. Er schloss sein Studium nicht ab, und es zog ihn 1955 weiter nach Bern zum Möbelgeschäft teo jakob, wo er als Innenarchitekt, Berater, Grafiker, Fotograf arbeitete und auch für die Auswahl des Sortiments zuständig war. Durch sein Einwirken wurde der Schriftzug im damaligen neuzeitlichen Look mit roten Kleinbuchstaben und ohne «h» beim Theo umgestaltet. Heute, nach 70 Jahren, hat er immer noch seine Gültigkeit. Auch vermittelte er seinem Arbeitgeber seine ehemaligen Studienkollegen Kurt Thut, Robert Haussmann, Ubald Klug und auch Hans Eichenberger, die bei teo jakob ihre Möbelentwürfe zeigen und auch realisieren konnten.
1958 fand bereits eine Ausstellung «neue metall möbel» mit Thut, Haussmann und Eichenberger im Kunstgewerbemuseum in Zürich statt, wo Alfred Hablützel das Plakat gestaltete. Einige Beiträge aus dieser Ausstellung waren dann auch Teil des in der Folge gegründeten Labels «swiss design», wo Hablützel den Schriftzug, die Fotos und die Verkaufsunterlagen schuf. Die neue Kollektion hatte Erfolg und wurde ca. 1959 u. a. bei «Stendig Contract Furniture» in New York verkauft.
Alfred Hablützel war ein Autodidakt. Er brachte sich das Fotografieren bei und erlernte Typografie und Grafik. Auch als Designer hat er sich versucht und 1957 eine kugelförmige Effektleuchte «Luna» entworfen, die heute noch bei der Kollektion Arber erhältlich ist.
Zusammen mit Christian Jaquet gründete er 1966 in Bern die Werbeagentur «Hablützel und Jaquet», die u. a. für designbewusste Firmen wie «de sede», «Creation Baumann», «USM» etc. Werbung und Produktberatung machte. In diese Zeit fällt auch die Entwicklung des heute noch erhältlichen Modells Sofa Organic DS 600 von «de sede» aus dem Jahr 1970, das Hablützel massgeblich mit gecoacht hat. 1976 verlässt er mit seiner Familie Bern und zieht nach Wil. In dieser Zeit war er Marketingleiter und Modellentwickler bei der Firma «Strässle» in Kirchberg. Hier entstand u. a. die erfolgreiche Kollektion «Modellserie HE» von Hans Eichenberger, eine ganze Stuhlfamilie aus Stahlrohr und Leder mit Konferenzmodell, Hochlehner, Armlehner, Stuhl etc., die weltweit vertrieben wurde. Hablützel war auch für die Platzierung im Fachhandel tätig. Er tourte mit einem Möbelcamion durch die Schweiz, vereinbarte Termine mit Händlern, fuhr vor die Läden, legte Teppich auf das Trottoir und präsentierte vor den Schaufensterfronten die neuen Kollektionen.
1979 machte er sich in Wil wieder selbstständig und entwickelte u. a. die Kollektion «Wogg» mit. Der neue Name ist eine Kreation von Hablützel aus den ersten Buchstaben der beiden Auftraggeber Willi/Otto/Gläser/Gläser. Die Entwicklung und Markteinführung der Wogg Kollektion 1983 ist ein Paradebeispiel im Werk von Alfred Hablützel. In Personalunion wählte er die Designer aus, entwickelte mit ihnen die neuen Modelle mit der verbindenden Technik des Postformings. Er inszenierte die Modelle in seinem Fotoatelier und gestaltete die Verkaufsunterlagen, kümmerte sich um die Distribution und brachte die entsprechende Werbung und Public Relations in Gang.
Aus seinen vielfältigen Kontakten in der Einrichtungsbranche bearbeitete das Studio Hablützel nun Projekte für Firmen wie: «Lantal Textile», «Melchnau», «Mira-x», «de sede», «Kollektion Röthisberger», «die Bodenfachleute», «Ruckstuhl», «Dietiker», «Villeroy & Boch», «Guild of Time Design» und viele mehr. In dieser Zeit lernte ich Alfred Hablützel im Büro Robert und Trix Haussmann kennen und konnte u. a. an der H-Design Kollektion von «Mira-x» und deren Showrooms mitarbeiten.
Nach meiner Selbstständigkeit im Jahr 1983 durfte ich für Alfred Hablützel regelmässig bei seinen Aufträgen wie Messeständen und Ausstellungen den 3D-Bereich übernehmen. Eine der ersten gemeinsamen Arbeiten war die Jubiläumsausstellung «30 Jahre Textildruck Printed by Taunus» 1983 im Textilmuseum Krehfeld. 1989 folgte dann die Ausstellung «Mobilier Suisse. Création. Invention» im Centre Georges Pompidou in Paris.
Hablützel gründete auch mit einer Gruppe von Möbelherstellern das «Forum kreativer Fabrikanten», später «Forum 8», die gemeinsam an der damaligen Schweizer Möbelmesse in Bern als Sonderschau ausstellten, erstmals 1985. Das Credo der Gruppe lautete: «Die Produkte der Mitglieder sind nicht auf kurzlebigen Verschleiss, sondern in ihrer formalen und konstruktiven Qualität auf Dauer konzipiert», ein Vorläufer der Nachhaltigkeit. Diese Zusammenarbeit resp. Erfahrungen waren dann auch mein Rüstzeug für die später ins Leben gerufenen Ausstellungen der «neue räume».
Alfred Hablützel entschied 1996 seine Retraite mit seiner Frau Marianne in Frankreich zu verbringen und lebte seit den 90er Jahren im Burgund, wo er nun letzten Januar in Perreuse mit über 90 Jahren gestorben ist.
Der vorliegende Artikel wurde von Stefan Zwicky für die Vereinigung Schweizer Innenarchitektinnen und Innenarchitekten verfasst. Für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung und die Bereitstellung des Beitrags danken wir ihm an dieser Stelle herzlich.
Im Sinne der Verbundenheit mit den Mitgliedern des Schweizer Verbands möchten wir diesen Beitrag zudem mit einem Aufsatz von Verena Huber zur Kugellampe bereichern, der im April 2010 im Raum Wohnen erschienen ist. Auch hierfür danken wir herzlich für die freundliche Bereitstellung.