Werkbrief
Zwei Tage Kultur, Begegnung und Gespräch
Wie gestalten wir Räume, Städte – und so unser gesellschaftliches Zusammenleben? Diese Frage stand im Zentrum des Werkbundtags 2026 des Schweizerischen Werkbunds SWB im Neubad Luzern.
Der Werkbundtag vereinte Menschen aus Architektur, Stadtplanung, Soziologie, Kommunikation, Design, Kunst und Kultur. Er brachte Fachpersonen, Mitglieder, Gäste und Interessierte zusammen und machte sichtbar, wie eng die Fragen des Gestaltens mit gesellschaftlichen Entwicklungen verbunden sind.
Das Neubad Luzern erwies sich dabei als idealer Rahmen für diese Auseinandersetzung. Wo einst geschwommen wurde, entstanden heute Arbeitsräume, Ateliers, Kulturflächen und Orte der Begegnung. Die historische Schwimmhalle mit ihren Keramikplättli, dem Sprungturm, technischen Anlagen und den sichtbaren Spuren der Vergangenheit wurde selbst zu einem starken Beispiel des zentralen Themas: Transformation durch Weiterdenken statt Ersetzen.
Freitag, 29. Mai 2026
Der Auftakt der beiden Werkbundtage begann am Freitagnachmittag mit der jährlichen Mitgliederversammlung des SWB. Sie bot Gelegenheit, gemeinsam zurückzublicken, aktuelle Themen zu diskutieren und die zukünftige Ausrichtung des Werkbunds weiterzuentwickeln. Die grosse Beteiligung und die intensiven Gespräche zeigten, wie wichtig der persönliche Austausch innerhalb des Netzwerks ist.
Im Anschluss öffnete sich der Werkbundabend für ein breiteres Publikum. Der Pool wurde zum atmosphärischen Veranstaltungsraum, in dem sich Architektur, Gestaltung, Literatur und Musik verbanden.
Nach der Begrüssung durch Gianni De Nardis folgten Beiträge von:
Lara Grandchamp, Verantwortliche des Bureau Alumni der Genfer HEAD (Haute école d’art et du design), die Einblick in ihre Arbeit zu aktuellen Fragestellungen im Spannungsfeld von Gestaltung, Ausbildung und Netzwerken gab.
Klaus Marek, Hochschullehrer Luzern, Designer, Filmemacher und Leiter des Bereichs Design, der über die Bedeutung von Gestaltung und Design in einer sich wandelnden Gesellschaft sprach.
Beim anschliessenden Apéro und Nachtessen entwickelten sich angeregte Gespräche zwischen Mitgliedern und Gästen. Diese informellen Momente gehören seit jeher zur besonderen Qualität der Werkbundtreffen: der Austausch zwischen Generationen und Disziplinen.
Der Abend entführte ausserdem in die Welt der Literatur und der Musik: Die mehrfach ausgezeichnete Autorin, Kolumnistin und Dozentin Renata Burckhardt las ein für diesen Anlass geschriebenes Werk. Auf sie folgte ein Konzert von Hans Feigenwinter, Schweizer Pianist und Professor an der Hochschule Luzern. Der Steinway mitten im ehemaligen Schwimmbecken wurde zum Mittelpunkt des Raumes. Die Architektur selbst wurde zum kristalinen Plättli-Resonanzkörper und verlieh dem Konzert eine aussergewöhnliche räumliche Qualität.
Den Ausklang des Abends gestaltete DJ Beda. Es wurde bis in den Abend hinein diskutiert, gelacht und getanzt und zahlreiche Gäste kamen aus Interesse am Werkbund.
Die Lesung und das Konzert sind auf YouTube verfügbar:
Samstag, 30. Mai 202
Werkbunddialog: Räume, Städte, gesellschaftliches Zusammenleben und Sozialräume
Der Samstag stand im Zeichen der Werkbund Dialoge und der Frage, wie wir unsere gebaute Umwelt künftig gestalten wollen.
Gianni De Nardis führte das Thema ein und stellte die Gesprächsrunde vor:
Martin Beutler, Sozialplastiker
Oliver Burch, Architekt, Stadtplaner und Vertreter der ZAS*
Christine Dietrich, Moderation
Barbara Emmenegger, Soziologin und Expertin für Raumfragen
Rahel Lämmer, Architektin und Expertin für Architektur und Städtebau
Die Gesprächsrunde warf einen Blick auf aktuelle Fragen zum öffentlichen Raum. Es wurde darüber diskutiert, wie unterschiedliche Generationen die digitale Moderne wahrnehmen und wie sich die Bedeutung des öffentlichen Raums verändert. Als Leitmotiv die Frage, wie sich der öffentliche Raum definieren lässt. Gelungen war das offene Setting: Für Gäste aus dem Publikum wurden zwei zusätzliche Stühle auf die Bühne gestellt. So konnten sich auch Besucherinnen und Besucher direkt an der Diskussion beteiligen.
Die Mischung aus geladenen Fachpersonen und spontanen Gästen sorgte für einen guten Austausch. Anhand von konkreten Projekten und aktuellen Beispielen wurden die Themen verständlich und praxisnah diskutiert.
Die Podiumsrunde ist auf YouTube verfügbar:
Das Neubad als Beispiel der Transformation
Nach dem gemeinsamen Lunch verlagerte sich das Programm in und um das Neubad. Anhand von Führungen durften die Teilnehmenden Blicke hinter die Kulissen dieses Gebäudes werfen.
Die Rundgänge wurden begleitet von:
Carmen Baumann, Projektleiterin Stadtplanung und Dialogprozess
Florin Gstöhl, Architekturhistoriker und Restaurator
Regula Hug, Leiterin Denkmalpflege und Kulturgüterschutz Luzern
Pascal Hunkeler, Stadtarchitekt und Leiter Städtebau Luzern
Harry van der Meijs
Die Rundgänge führten von den ehemaligen Garderoben und technischen Anlagen über die erhaltenen Installationen bis zu den heutigen Kultur-, Arbeits- und Veranstaltungsräumen. Dadurch wurde auch die Geschichte und die Transformation des Neubads erfahrbar.
Das Neubad steht exemplarisch für eine Baukultur, die bestehende Strukturen nicht als Hindernis, sondern als wertvolle Ressource versteht.
Neben den offiziellen Programmpunkten waren es die zahlreichen Begegnungen, die den Werkbundtag prägten. Gespräche im Clubraum, beim Apéro auf den ehemaligen Schwimmbadgalerien, zwischen den technischen Installationen und am Beckenrand machten den Werkbund-Charakter aus.
Der Werkbundtag zeigte, dass gute Gestaltung nicht nur beim isolierten Entwerfen entstehen kann, sondern den Dialog braucht: zwischen Architektur, Gestaltung und Gesellschaft, zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen Fachwissen und persönlicher Erfahrung. Nur so entstehen neue Ideen.
Die Bilder der beiden Tage sprechen für sich: Menschen, die gemeinsam zuhören, diskutieren, entdecken und feiern; der Steinway auf den ehemaligen Schwimmbadplättli; die Lesung unter dem Sprungturm; Gespräche zwischen technischen Anlagen und neuen kulturellen Nutzungen; ein Ort, der seine Geschichte nicht verloren hat, sondern in eine neue Zukunft überführt wird.
Der Schweizerische Werkbund SWB dankt allen Mitwirkenden, den Verantwortlichen des Neubads Luzern sowie allen Mitgliedern und Gästen, die diese zwei Tage mit ihrem Engagement und ihrer Präsenz möglich gemacht haben.