Debatten

Normen und Kreativität!

Ein Denk- (und Handlungs-)Anstoss der Groupe Romandie 

 

Als Resultat eines Podiumsgesprächs  schlagen wir vor, sich intensiver mit dem Widerspruch zwischen Normen und Kreativität zu beschäftigen, um die gegenseitigen Einflüsse besser zu erfassen. Das Interesse daran resultiert aus unserem beruflichen wie privaten Alltag, in dem unsere Umgebung durch Normen beengt und die Kreativität immer mehr verplant wird. 

In kreativen Berufen ist der Begriff der Normierung umstritten. Sie wird in der Tat oft als Zwang empfunden, der uns nervt und begrenzt. Andererseits helfen Normen jedoch, unsere Arbeit zielgerichtet zu erledigen. Eine Debatte über die Beziehung dieser beiden Elemente zueinander gäbe die Möglichkeit, die einfache Kritik zu überwinden und den treibenden Mechanismen inerhalb dieses Grundwiderspruchs nachzugehen. Mögliche Themen könnten sein:
  • die Rolle der Normierung bei Bau und Industrialisierung in der Architektur:  Vereinfachung der Prozesse, Einsparung, «Demokratisierung der Produkte», genormte Bauteile;
  • Führt die Normierung zwangsläufig zur Uniformität?
  • Normen bilden die Standard-Vorlösung gewisser Probleme, womit ein Zeit-gewinn im freien Prozess der Kreativität entstehen kann. Ist das immer so?
  • Was ist die Rolle des Gestalters in einer Welt, die normierter, gesicherter und kontrollierter wird? Wo liegt seine Handelsfreiheit?
  • Die Zunahme der Normen führt zu sich widersprechenden Regelwerken. Ist das eine Chance? Stellt sie eine Möglichkeit dar, die Freiheit zu ergreifen, oder ist sie ein zusätzliches Hindernis, welches den kreativen Prozess blockiert?
  • Können Normen die Quelle von Kreativität sein?
  • Wie äussern sich Normierung und Standard in künstlerischen Berufen?
  • Welche  Herausforderungen bringen Normen mit sich?
  • Warum gibt es so viele Normen?
  • Wer hat einen Vorteil davon?
  • Warum gibt es so viel Bedürfnis nach Sicherheit?

Eine Hypothese 

Heutzutage sind Normen aus Versicherungsgründen, Komfort und Gerechtigkeit entwickelt worden und nicht etwa, um kreatives Entwerfen zu vereinfachen, wofür sich unsere Vereinigung einsetzt. 
 
Wir verstehen Normen als ein Basisverzeichnis, auf welches sich jeder beziehen kann, um neue Lösungen für spezifische Bedürfnisse in unterschiedlichen Projekten zu finden. 
 
Das Problem besteht nicht in der Normierung oder Reglementierung an sich, sondern in der Tatsache, dass jede Norm individuell entsteht. Die widersprüchlichen Effekte stammen aus der Konfrontation mit anderen Normen und machen ihre Anwendung schwierig oder sogar unmöglich. Die Kreativität verschiebt sich in die Interpretation oder im Suchen nach Kompromissen, die in gemischte und sinnlose Lösungen münden. 
 
Der SWB engagiert sich gegen mehr Reglementierung und für einen grösseren Anwendungsspielraum, passend zu den Zielen eines jeden Projektes. Zudem unterstützt er eine engere Kooperation zwischen den Berufsleuten und den Institutionen, die die Anwendung der Normen prüfen. Wir stehen also für eine Verminderung der Norm und ein Empfehlungssystem, das viel beweglicher ist und sich besser an die Eigenschaften der Welt, in welcher wir heute leben, anpasst.
 
Mit der Verkleinerung der Anzahl der Normen müssen die Grundaspekte jeder Norm neu in einem breiteren Anwendungsrahmen ermessen und überlegt werden; wir appellieren damit an die Verantwortung eines jeden in seiner Beziehung zu seiner Umgebung. Statt einen starren Zwang auszuüben, soll die Norm einen Weg zeigen, der zur Suche nach neuen Lösungen ermutigt.
 

Engagement

In diesem Rahmen stellt sich der SWB gegen die Vereinheitlichung und Standardisierung unserer Welt. Er setzt  sich aber auch gegen die Gleichförmigkeit und jene Einschränkungen zur Wehr, die uns systematisch zu Lösungen führen, die bereits erprobt sind. Zudem werden wir Schritte gegen formelle, unbewegliche und vermindernde Gütezeichen sowie gegen das Ausstellen von Brevets, die kreative Berufe verhindern, unternehmen. 
 
Yves Dreier, Amalia Jimenez und
Ana-Ines Pepermans
für die Groupe Romandie